Das Abschlusskonzert der Bachwochen in Thun war der Höhepunkt der einer intensiven Probewoche des Sinfonischen Chors. Wie schon im letzten Jahr hatte der Schweizer Jugendchor auch in diesem Jahr die Ehre und Freude, an den Bachwochen in Thun aufzutreten. Vom 5. bis 10. September wurde fleissig geprobt, um dem Publikum ein wunderbares Konzert bieten zu können.
Die Woche startete mit einer wundervollen Zugreise entlang des Thunersees. In Interlaken trafen wir uns wieder, mit Umarmungen für die einen, schüchterne Begrüssungen für die anderen. Bald wurde die gut gelaunte Gruppe zum Einsingen mit den Assistentinnen Chiara Selva und Lea Stadelmann gebeten. Nach dem Einsingen folgte direkt ein erster Durchlauf der 3 Werke, welche auf dem Programm stehen. Dieser Schritt sei unglaublich wichtig für ihn, sagte Dirigent Nicolas Fink, da er so besser beurteilen könne, welche Arbeit noch bevorsteht. Das Singen der korrekten Töne war kein grosses Problem, sodass wir schnell anfangen konnten «Musik zu machen». Wir konzentrierten uns darauf, die Betonungen richtig zu setzen, die musikalischen Feinheiten zu zeigen, ohne langsamer zu werden, die Einsätze zu treffen und die Aussprache bestimmter Wörter zu perfektionieren. Die Fugen vertieften wir in zahlreichen Durchläufen, die Register im Kreis gruppiert oder komplett gemischt, das Tempo variierte von schnell bis wild.
Am Abend führte uns ein kleiner Spaziergang von etwa 20 Minuten durch den Wald zum Waldhotel Unspunnen. Perfekt, um den Kopf frei zu bekommen, bevor wir uns «Schnadi», der Hotelier, begrüsste und wir ein leckeres Abendessen geniessen durften. Natürlich gehören zu einer intensiven Probewoche auch Momente der Entspannung und Geselligkeit: Von Gesellschaftsspielen über Lachanfälle bei einem Bier oder Glas Wein bis hin zu erneutem Singen kam jede*r auf seine Kosten. Unbedingt zu erwähnen ist hier natürlich der bunte Abend, der vom Sozialkomitee vorbereitet und organisiert wurde!
Am Freitag ging es zur ersten Probe mit dem Orchester «Le phénix» nach Thun. Nach der strengen Probe bei fast 30 Grad waren wir alle froh, kurz in der Aare zu baden, bevor es zurück nach Interlaken ging. Am Samstag veranstalteten wir einen Flash-Mob inmitten des Wochenmarktes auf dem Thuner Rathausplatz, um die Bevölkerung mit Musik auf die Bachwochen aufmerksam zu machen. Nach einer weiteren Probe mit dem Orchester fand schliesslich die Generalprobe in der Stadtkirche Thun mit unseren Solist*innen Marysol Schalit, Claude Eichenberger, Jonathan Spicher und Gerardo Garciacano statt.
Am Sonntagmorgen wurden die Koffer gepackt und es ging nach Thun. Einige reisten mit dem Zug, die anderen nahmen bereits früher das Schiff über den Thunersee. Auf dem Schiff blieb die Gruppe des Schweizer Jugendchors nicht unbemerkt, sie stimmten einige Stücke aus dem Repertoire des SJC an. In Thun angekommen, erfrischten wir uns vor dem Konzert nochmals in der Aare oder im Brunnen vor der Stadtkirche. Während wir die letzten Vorbereitungen für das Konzert trafen, strömten die Leute auf den Platz, die Kirche füllte sich. Nach einem letzten Einsingen und letzten Hinweisen versammelte sich der Chor auf dem Rasen für sein traditionelles «weischus dü». Es war an der Zeit, die Bühne zu betreten. Das Gloria (Johann Christian Bach) ist strahlend, die Motette «Komm, Jesu, Komm» (Johann Sebastian Bach) liess das Publikum verstummen. Nach einer kurzen Pause beendete das Magnificat (Carl Philipp Emanuel Bach) schliesslich das Konzert mit Jubel. Schon war die Zeit des Abschieds gekommen.
Obwohl dieses Abschlusskonzert das Ende der Probewoche und das Ende der Bachwochen 2023 war, durften wir das tolle Programm nur eine Woche später bereits wieder singen: Mit guter Stimmung trafen wir uns in Schaffhausen wieder. Trotz der fehlenden Zeit, um sich an die völlig andere Akustik anzupassen, begeisterte das Konzert das Publikum. Nach dem Konzert nahmen wir den Zug nach Zürich, um am nächsten Tag nach Flims im Kanton Graubünden zu fahren. Bei der Ankunft in Flims waren die Aussicht und das Bergpanorama überwältigend. Dieses letzte Konzert gelang nochmals wie erhofft und das Publikum belohnte uns mit tosendem Applaus. Auch nach diesem Konzert galt es keine Zeit zu verlieren, da wir den letzten Bus erreichen mussten, mit dem unsere Sänger*innen aus der Westschweiz gerade noch nach Hause kommen konnten. Im Postauto wurden wieder einige Klassiker aus dem Repertoire des SJCs ausgepackt und auch der Chauffeur trug mit der Postautosirene zur heiteren Stimmung bei. Im Zug nach Zürich wurde erneut aus voller Kehle gesungen, gegessen und getrunken. In Zürich angekommen, fielen wir uns in die Arme, verabschiedeten uns und sagten: «Bis bald bei der Neunten», oder «Wir sehen uns bei der h-Moll-Messe im Dezember». Als wir schliesslich den Bahnsteig verliessen, trafen wir im unteren Stock des Bahnhofs einige Musiker*innen des Orchesters «Le Phénix», welche nun noch ein kleines Mini-Konzert im Bahnhof Zürich improvisierten.
Wie kann man ein so menschliches und emotionales Abenteuer abschliessen? Vielleicht mit den rührenden Worten von Jonathan Spicher, unserem Tenor-Solisten:
«Dieses Erlebnis wird lange in meinem Herzen bleiben. So viel Liebe beim Singen sieht man nicht oft. (…) Ich hatte einfach viel Glück, mit euch allen zu musizieren und fühle mich geehrt. Ich werde diese Erfahrung nie vergessen.»
Sophie Braillard, Sopran 1